Münstertalbahn

#20545
Als erste Maßnahme des Projekts „Breisgau-S-Bahn 2020“ war von Mitte 2012 bis Mitte 2013 die 11 km lange Münstertalbahn zwischen Bad Krozingen und Münstertal (Schwarzwald) ausgebaut und das Betriebsangebot deutlich ausgeweitet worden. Wesentliches Element bildete dabei neben dem Ausbau des Kreuzungsbahnhofs Staufen und dem barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe und Haltepunkte die Elektrifizierung der Strecke. Vor dem Umbau kamen Dieseltriebwagen des Typs RegioShuttle (RS1) in Einzel- bzw. Doppeltraktion (Länge 25 bzw. 50 m) zum Einsatz, heute fahren Elektrotriebwagen vom Typ „Talent 2“ mit einer Länge von 56 m. Infrastrukturbetreiber und gleichzeitig Eisenbahnverkehrsunternehmen ist die Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft (SWEG).

Entgegen den Erwartungen des Betreibers der Strecke - und auch des Zweckverbands Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) - führte die Wiederaufnahme des Verkehrs nach dem Ausbau der Strecke zu Beschwerden von Anliegern: Ihrer Wahrnehmung nach kam es zu einer deutlichen Zunahme der Lärm- und Erschütterungsbelastung, insbesondere an den besonders kurvigen Abschnitten der Strecke. Von den Betroffenen wurde daher die Frage aufgeworfen, ob die neuen Fahrzeuge nach Größe, Abmessungen und Masse für einen Einsatz auf der Münstertalbahn geeignet seien.

Aufgrund dessen hatte sich der ZRF bereit erklärt, in Abstimmung mit der SWEG Ende Juni 2014 eine umfassende Begutachtung in Auftrag zu geben, um mögliche Ursachen für die von den Anliegern vorgebrachte Zunahme der Lärm- und Erschütterungsbelastungen genau zu identifizieren. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse sollten zudem geeignete Lösungsmöglichkeiten dargestellt und technisch wie auch wirtschaftlich bewertet werden. Die Aufgabenstellung finden sie hier. Sie war angesichts der zu untersuchenden Fragestellung allgemein gehalten und umfasste insbesondere auch einen von den Anbietern zu erarbeitenden Vorschlag zur Methodik und zum Untersuchungsumfang.

Das Hauptaugenmerk lag auf dem Zusammenwirken der neuen Fahrzeuge mit dem Gleis. Anders als bei einem „klassischen“ Lärmgutachten, bei dem die Belastungen nach der 16. Bundes-Immissionsschutzverordnungen (BImSchV) – Verkehrslärmschutzverordnung und der Richtlinie zur Berechnung der Schallimmissionen von Schienenwegen (kurz Schall 03) berechnet werden und sich daraus ggf. die Notwendigkeit von Schallschutzmaßnahmen ergibt, lag der Schwerpunkt bei der jetzigen Aufgabenstellung auf den durchzuführenden Messungen und deren Beurteilung.

Vergeben worden war der Auftrag an die I.B.U. GmbH in Essen, ein Ingenieurbüro für Schwingungs-, Schall- und Schienenverkehrstechnik. Das Gutachten wurde in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Schienenfahrzeuge an der Technischen Universität Berlin, Herrn Prof. Hecht, erarbeitet. Zudem begleiteten neben der SWEG als Infrastrukturbetreiber und Eisenbahnverkehrsunternehmen der Münstertalbahn auch der Fahrzeughersteller des Talent 2, die Firma Bombardier, die Erstellung des Gutachtens.


Folgende Arbeitsschritte wurden im Rahmen der Untersuchungen durchgeführt:

  • Festlegung der repräsentativen Querschnitte, an denen die Messungen am Gleis erfolgen sollen, und detaillierte Abstimmung der Messdurchführung
  • Durchführung von Schwingungs- und Schallemissionsmessungen über mehrere Tage in den ausgewählten Messquerschnitten. Gemessen wurden Schwingungs- und Schallsignale am Gleis (Schienen und Schwellen) und im angrenzenden Gelände während der Vorbeifahrt von Zügen. Die Signale wurden dabei sowohl für den Talent 2 als auch für den RegioShuttle bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten erhoben
  • Durchführung von ergänzenden Messungen am Gleis in den ausgewählten Messquerschnitten zur Ermittlung der „Track Decay Rate“, welche die Abnahme der Schienenschwingungen pro Laufmeter Schiene beschreibt, der Riffelung (wellenförmige Vertiefungen auf der Oberseite der Schienen, die im Laufe der Zeit durch das Befahren entstehen), des Schienenprofils und der Spurweite
  • Durchführung von Fahrzeugmessungen unter Betrieb auf der Strecke zur Ermittlung der Schallemission am Drehgestell; zusätzlich Vermessung der Radprofile
  • Zusammenstellung, Auswertung und gesamthafte Beurteilung der Messergebnisse
  • Aufzeigen von Möglichkeiten zur Verbesserung der Emissionssituation
  • Anfertigung eines zusammenfassenden Berichts


Die Schwingungs- und Schallemissionsmessungen am Gleis und an den Fahrzeugen hatten in der Woche vom 15. - 19. September 2014 stattgefunden.
Die Ergebnisse der Untersuchung liegen nach Abschluss der Arbeiten seit Mitte Dezember 2014 vor.


Unter folgendem Link finden Sie alle wichtigen Informationen zum Gutachten sowie die dazugehörigen Pressemitteilungen.

zuletzt geändert am: Donnerstag, 23. März 2017 11:18
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